
Versicherungsgesellschaften werben mit Versicherungen für die unterschiedlichsten Lebenssituationen. Nicht alle diese Versicherungen sind tatsächlich erforderlich. Verschiedene Versicherungen sind gesetzlich vorgeschrieben. Andere Versicherungen sind zwar keine Pflicht, doch sind sie sinnvoll.
Versicherungen, die in Deutschland Pflicht sind
Die folgenden Versicherungen schützen nicht nur vor den finanziellen Folgen der größten Risiken, sondern sie sind in Deutschland auch Pflicht.
Kranken- und Pflegeversicherung
Die Krankenversicherung übernimmt die Kosten für medizinische Behandlungen, Krankenhausaufenthalte, Medikamente und weitere Gesundheitsleistungen. Die Leistungen können sich je nach Tarif unterscheiden. Eine Pflegeversicherung übernimmt im Pflegefall einen Teil der Kosten.
Arbeitnehmer sind in Deutschland über die gesetzliche Krankenversicherung versichert.
Der Wechsel in eine private Krankenversicherung ist ab einem Jahreseinkommen von 77.400 Euro (Stand 2026) möglich. Selbstständige und Beamte können zwischen der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung wählen.

Kfz-Haftpflichtversicherung für Autobesitzer
Die Kfz-Haftpflichtversicherung ist Pflicht für alle Autobesitzer und übernimmt die Kosten für Schäden, die Autobesitzer anderen Verkehrsteilnehmern zufügen. Der Nachweis einer gültigen Kfz-Haftpflichtversicherung ist Voraussetzung für die Fahrzeugzulassung.
Die Kfz-Haftpflichtversicherung soll gewährleisten, dass alle Schäden im Straßenverkehr abgedeckt sind. Bei der Wahl des Anbieters kommt es auf eine hohe Deckungssumme bei Personenschäden an.
Die Kfz-Haftpflichtversicherung kommt nicht für Schäden am eigenen Fahrzeug auf. Dafür ist eine Kaskoversicherung sinnvoll, doch sie ist nicht gesetzlich vorgeschrieben.
Berufshaftpflichtversicherung bei bestimmten Berufen
Für bestimmte Berufsgruppen wie Ärzte, Hebammen, Notare, Wirtschaftsprüfer oder Steuerberater ist eine Berufshaftpflichtversicherung gesetzlich vorgeschrieben.
Sie schützt vor den finanziellen Folgen durch berufliche Fehler, die Schäden bei Dritten verursachen.
Auch hier kommt es auf ausreichende Deckungssummen für Personenschäden an.
Tierhalterhaftpflicht je nach Tier und Bundesland
Die Tierhalterhaftpflichtversicherung kommt für Schäden auf, die durch Tiere verursacht werden, und ist in einigen Bundesländern gesetzlich vorgeschrieben. Eine Hundehalterhaftpflichtversicherung ist in den Bundesländern Berlin, Hamburg, Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen für alle Hunde Pflicht. In Schleswig-Holstein besteht rechtlich eher ein Versicherungsgebot als eine strikte Pflicht für alle Hunde; für als gefährlich eingestufte Hunde ist die Versicherung dort aber in jedem Fall vorgeschrieben. In anderen Bundesländern ist sie freiwillig oder nur für bestimmte Rassen bzw. Hundegrößen Pflicht.
Je nach Bundesland gelten unterschiedliche Regelungen für die Tierhalterhaftpflichtversicherung. In einigen Bundesländern ist sie nur für bestimmte Hunderassen oder ab einer bestimmten Größe des Tieres vorgeschrieben. Es ist im Zweifel sinnvoll, bei der Kommune nachzufragen, welche Regelungen gelten.
Eine Pferdehalterhaftpflichtversicherung ist sinnvoll, aber nicht gesetzlich vorgeschrieben.

Versicherungen, die sinnvoll sind
Verschiedene Versicherungen sind wichtig, auch wenn sie nicht gesetzlich vorgeschrieben sind. Bei einigen dieser Versicherungen hängt es von der persönlichen Situation ab, ob sie tatsächlich benötigt werden.
Private Haftpflichtversicherung – für jeden sinnvoll
Eine private Haftpflichtversicherung ist nicht gesetzlich vorgeschrieben, doch sie gehört zu den wichtigsten Versicherungen überhaupt. Sie schützt vor den finanziellen Folgen bei Sach- und Personenschäden, die der Versicherungsnehmer anderen Personen zufügt.
Es kommt auf eine hohe Deckungssumme bei Personenschäden an, da solche Schäden schnell in die Millionenhöhe gehen können.
Die private Haftpflichtversicherung schützt vor dem finanziellen Ruin. Ehe- oder Lebenspartner sowie andere im Haushalt lebende Personen können oft mitversichert werden. Häufig wird die private Haftpflichtversicherung in Kombination mit der Hausratversicherung angeboten.
Berufsunfähigkeitsversicherung – sinnvoll für alle, die im Berufsleben stehen
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist wichtig für alle, die auf ihr Arbeitseinkommen angewiesen sind. Sie kann von Arbeitnehmern und von Selbstständigen abgeschlossen werden und tritt ein, wenn der letzte Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr dauerhaft oder nur mit Einschränkungen ausgeübt werden kann.
Die Berufsunfähigkeitsversicherung sollte so früh wie möglich abgeschlossen werden, da dann die Prämien niedriger sind. Die Berufsunfähigkeitsversicherung ergänzt die gesetzliche Rentenversicherung. Die Erwerbsminderungsrente, die unter bestimmten Bedingungen von der gesetzlichen Rentenversicherung gezahlt wird, fällt nur gering aus. Die Berufsunfähigkeitsversicherung schließt diese Versicherungslücke.

Risikolebensversicherung – sinnvoll bei laufenden Immobilienkrediten
Eine Risikolebensversicherung ist sinnvoll für diejenigen, die einen laufenden Immobilienkredit haben und ihre Angehörigen finanziell absichern möchten. Ist bereits eine kapitalbildende Lebensversicherung vorhanden, wird keine Risikolebensversicherung benötigt.
Die Prämien für die Risikolebensversicherung sind niedriger als für die kapitalbildende Lebensversicherung. Die Risikolebensversicherung tritt nur im Todesfall des Versicherten ein und zahlt an die Hinterbliebenen die vereinbarte Summe. Die Versicherungssumme sollte abhängig vom Einkommen, von der Höhe des Kredits und vom persönlichen Bedarf festgelegt werden.
Wohngebäudeversicherung – sinnvoll für Hauseigentümer
Hauseigentümer sollten auf eine Wohngebäudeversicherung nicht verzichten. Sie deckt Schäden durch Leitungswasser, Feuer, Sturm, Hagel oder Blitzschlag ab.
Der Vertrag kann durch eine Elementarschadenversicherung ergänzt werden. Das ist sinnvoll, um auch vor den finanziellen Folgen von beispielsweise Hochwasserschäden zu schützen.
Die Elementarschadenversicherung tritt bei Schäden durch Naturkatastrophen ein, auch bei Starkregen.
Pflegezusatzversicherung zum Schutz vor finanziellen Belastungen im Pflegefall
Eine Pflegezusatzversicherung ist eine Ergänzung zur gesetzlichen Pflegeversicherung und reduziert die Eigenanteile im Pflegefall. Sie eignet sich für diejenigen, die nur eine geringe Rente erwarten, geringe finanzielle Rücklagen haben und die finanziellen Belastungen im Alter abfedern möchten. Die Beiträge sind umso günstiger, je früher diese Versicherung abgeschlossen wird.

Private Altersvorsorge – verschiedene Möglichkeiten
Für die private Altersvorsorge kann eine private Rentenversicherung oder eine Kapitallebensversicherung abgeschlossen werden. Das ist jedoch nicht zwingend notwendig. Eine Alternative kann ein Sparplan sein, mit dem sich langfristig Vermögen aufbauen lässt. Eine staatliche Förderung war bisher über die Riester-Rente möglich.
Die Riester-Rente wird jedoch im Zuge der 2026 beschlossenen Rentenreform abgelöst: Ab dem 1. Januar 2027 können keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden.
An ihre Stelle tritt ein neues, staatlich gefördertes Altersvorsorgedepot mit flexiblerer Anlage (z. B. in ETFs) und einer höheren Grundzulage. Wer bereits einen Riester-Vertrag hat, kann diesen mit Bestandsschutz weiter besparen. Welche Form der privaten Altersvorsorge gewählt wird, hängt von der persönlichen Situation ab.
Versicherungsschutz regelmäßig prüfen
Es ist wichtig, den vorhandenen Versicherungsschutz regelmäßig zu prüfen. Ändern sich die Einkommensverhältnisse und die persönliche Lebenssituation, können weitere Versicherungen sinnvoll sein, beispielsweise die Wohngebäudeversicherung oder die Risikolebensversicherung. Es kann auch sinnvoll sein, die Versicherungssumme anzupassen. Auch die private Altersvorsorge sollte angesichts der anstehenden Riester-Reform aktuell überprüft werden.
Verschiedene Versicherungen werden nicht mehr benötigt und können gekündigt werden. Das gilt für Kasko-Versicherungen für alte Autos oder für Handyversicherungen. Auch Reisegepäckversicherungen sind oft nicht sinnvoll. Reisegepäck ist oft über die Hausratversicherung versichert. Auch in den Leistungen für Kreditkarten sind oft verschiedene Reiseversicherungen enthalten.



